Ich bin gut in Kolumbiens Norden angekommen. Nach 2 Partynächten in Quito flog ich über Bogotá nach Cartagena. Bild 1 zeigt eine sehenswerte Flussmündung ins karibische Meer kurz vor der Landung. In Cartagena kam ich in einem wunderschönen Hostel in der Altstadt unter. Im Innenhof gab es sogar einen kleinen Garten und einen Pool. Die erste Nacht verbrachte ich in einem günstigem 6er - Zimmer, zusammen mit einem Spanier und einem Australier. Am nächsten Morgen wollte ich, wie mir eine Bielefelderin auf den Galapagosinseln empfahl, nach Santa Marta und / oder Taganga weiterreisen. Ich packte meine Sachen und nahm ein Taxi zur Busstation. Die Fahrt dauerte ungefähr 30 min. Während der Fahrt zeigte mir der Taxifahrer die Schlagzeile der aktuellen Tageszeitung. Abgebildet war die blutige Spitzhacke mit der ein Mann in der Stadt die Schädel einer Großmutter und ihrer fünfjährigen Enkelin zertrümmert hatte. Eine "nette Story" am Morgen, vertreibt Kummer und Sorgen...
Um 13.00 am Busterminal angekommen erfuhr ich dann, dass der nächste Bus erst um 19.00 abends fahren sollte. Da ich der einzige Gringo weit und breit war und der Taxifahrer mich schon beim Einfahren vor verdächtigen Leuten gewarnt hatte, entschloss ich mich, mit all meinem Gepäck keine 6 Stunden zu warten, sondern zum Hostel zurückzufahren. Ich wollte am nächsten Tag erneut versuchen, mein gewünschtes Ziel zu erreichen.
Ich nahm also ein Taxi, packte meine große Reisetasche auf die Rückbank, meinen Rucksack nahm ich mit nach vorne. Die Fahrt ging los, wurde aber nach 10 Minuten durch eine Menschenmenge auf der Straße unterbrochen. Ich konnte nicht genau erkennen, was die Ursache war. Der Fahrer versuchte herumzunavigieren, allerdings ohne Erfolg. Wir mussten warten. Aufeinmal wurde die Hintertür aufgerissen, ich dachte, man wollte meine Tasche entwenden. Aber zum Glück falscher Verdacht. Aus der Menschenmenge wurde eine, stark am Kopf blutende Frau auf das Taxi zu getragen und auf den Rücksitz verfrachtet. Wir sollten sie ins Krankenhaus bringen. Als sich die Menschenmenge für den Aushilfskrankenwagen etwas auflöste, sah ich das kaputte Motorrad, mit dem die Frau wohl ohne Helm an einen Unfall beteiligt war. Nachdem sie auf der Fahrt nicht wenig Blut verloren hatte und vor Schmerzen stöhnte, lieferten wir sie schnellstmöglich im Krankenhaus ab.
Auf dem nun veränderten Rückweg versuchte der Taxifahrer einen Stau zu umgehen, indem er durch ein "Wohngebiet" fuhr. Ich habe noch nie solche schlimmen Verhältnisse zu sehen bekommen, wie an diesem Tag. Bestialischer Gestank, Müll, verwarloste Menschen, wohin man auch sah. Dazu abgemargerte, kranke Hunde und Katzen. Während der Fahrt war mir schon etwas unangenehm, aber als wir dann aufgrund sich stauender Autos anhalten mussten, erwartete ich eigentlich, jederzeit ausgeraubt zu werden. Als wäre es nicht schon heiß genug gewesen, schlug mein Herz nun schneller, der Schweiß lief mir in Strömen an Kopf runter. Der Taxifahrer bemerkte wohl meine Nervosität und drückte mir zur Beruhigung eine Zeitung in die Hand. Ich versuchte mich damit etwas abzulenken. Was ich auf der ersten Seite entziffern konnte, war ein bißchen, wenn auch nicht viel besser, als die erste Story des Tages. Der Sportteil verschaffte mir etwas Entspannung. Nach 20 Minuten ging es dann weiter und ich kam heilfroh wieder am Hostel an.
Die Frau an der Rezeption grinste nur und fragte scherzhaft, ob mir Taganga nicht gefallen hätte. Nach meiner Antwort reservierte sie mir einen Platz in einem Privatbus, der mich am nächsten Morgen am Hostel abholen sollte. Hätte ich das mal einen Tag vorher gewusst...
In Taganga angekommen, packte ich mein schweres Gepäck und mietete im ersten Hostel ein Zimmer. Ganz angenehm zu ruhen, nachdem ich erfolgreich ungefähr 15 Mosquitos gejagt hatte.
Als ich in einem Internetcafé meinen Kontostand erblickte, bekam ich leichte Panik. Kein verfügbares Guthaben mehr. Die per Kreditkarte bezahlten Flüge wurden, entegegen meiner Kalkulation, einen Monat früher abgebucht.
Situation:
Bargeld umgerechnet: 45€
Verbleibende Tage in Kolumbien: 12
Kosten Rückfahrt Cartagena: 14€
Kosten Fahrt Flughafen: 6€
Monatsende: in 13 Tagen
45€ Guthaben - 14€ - 6€ = "45 minus ... 2 im Sinn durch 13, das macht äääähhhh": 1,9€ pro Tag.
Sogar in Kolumbien für eine Unterkunft und Essen nicht möglich!
Also ich zog erstmal von meiner 12€ - Mosquito - Suite in eine 4€ Baracke. Ich hatte von der Bielefelderin erfahren, wo man ganz, ganz preisgünstig wohnen kann. Ich schraubte meine Ansprüche quasi gen 0 und zog dort ein:
Ein unsauberes Zimmer, ein Bett mit einer versifften Matratze, ein quitschender Ventilator. Als der Besitzer den gröbsten Dreck vom Bett und den Kissen klopfte, flohen 2 Eidechsen und eine Spinne aus meinem zukünftigen Schlafplatz. Auch ein paar Beutetiere, Fliegen und Mosquitos waren aufgescheucht. Mit in der Wohnung über einem Kiosk wohnte ein Argentinier mit Frau und Sohn. Die Frau produzierte tagsüber Empanadas, die sie abends am Strand verkaufte. Der kleine Sohn guckte den ganzen Tag TV, der Mann war half beim Kochen oder schlief. Er war super nett, gab mir sogar ein paar Tipps, wie ich noch mehr Geld sparen konnte. Zum Beispiel gab es Trinkwasser nicht nur im teuren Plastikflaschen, sondern auch in Plastiktüten: Die 3-fache Menge für ein Viertel des Preises...
Aus Geldmangel und schlechter Laune aß ich den ganzen Tag nichts. Abends kaufte ich eine Möhre, eine Zwiebel, ein Paprika, 2 Eier und ein Tostbrot. Bis auf das Tostbrot gesund und lecker. Zum Schlafen legte ich ein Handtuch auf das olle Laken, um nicht zu viel Kontakt mit diesem zu haben. Die erste Nacht war wirklich schlimm. Der Ventilator war kaputt, quietschte grässlich, ließ mich nicht schlafen. Also schaltete ich ihn ab. Dies sorgte wiederum für ununterbrochenen Schweißfluss, sogar im Liegen. Es gab kein Mosquitonetz an den Fenstern, so zog ich mir mein Kopfnetz über und bedeckte meinen Körper mit einem Laken. Nach 4 Stunden wachte ich auf, mein T-Shirt und das Handtuch waren klitschnass...
Den nächsten Tag verbrachte ich am Strand mit Lesen und Ausruhen -> Energiesparen. Am Abend gab's wieder leckeres Gemüseei. Der Argentinier verriet mir, dass er ausziehen wolle und gab mir einen Tipp, wo ich noch günstiger, aber besser wohnen könne.
Die zweite Nacht war etwas besser als die erste, aber als am nächsten Morgen das Bedienelement des eingeschalteten Ventilators an der Wand, zu qualmen begann, wollte ich nur noch ausziehen. Der Argentinier zeigte mir die Unterkunft im Hinterhaus einer kolumbianischen Famile. Ich muss zwar immer durch deren Wohnzimmer, um zu meinem Zimmer zu gelangen, dafür ist es aber frisch renoviert, sauber, hat einen guten Ventilator und kostet nur 3,3 €.
Hier fühle ich mich nun wieder wohl. Auch hat meine Mama eine Rettungsüberweisung gestartet, die mich wahrscheinlich am Montag erreicht. Also alles wieder im grünen Bereich. :-)
Nach dem kleinen, etwas negativen Roman nun wieder zu lustigeren Dingen: Zu Anfang nun ein kleines Bilderrätsel, bestehend aus drei Bildern:
Was könnte Nr. 1 (Bild 2) darstellen?
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Keine Ahnung? Dann bitte Nr. 2 (Bild 3) vergößern!
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Immer noch nicht ganz einfach...aber Nr. 3 (Bild 4) gibt Aufklärung:
Meine Schuhe nach 3 Monaten Galapagos' Hochland-Feuchtigkeit
Auch noch nicht erwähnt habe ich, die Haustiere der Mexikanerinnen. An einem Sonntag im Hafen, haben sie in einem Hostel ein Küken gekauft und es Sancho getauft (Bild 5).
Eine Woche später hat uns unser Stammtaxifahrer ein zweites geschenkt. Ich bestand darauf es Pancho zu nennen. Ganz nach den beiden chaotischen Fröschen der uralten, gleichnamigen Zeichentrickserie, dem Duo Sancho & Pancho. Auf Bild 6 schläft er bei mir auf dem Arm, während ich am Computer arbeite.
Keine Woche später gab uns der Taxifahrer ein drittes (Bild 7). Wegen seiner rötlichen Haarfärbung bekam es den Namen "L.J." -> Little Jannis :-)
Bemerkenswert ist auch die Zutraulichkeit der endemischen Fauna auf den Galapagosinseln. Da sie keine natürlichen Feinde besitzen, haben die Tiere auch keine Angst vor dem Menschen. Auf Bild 8 zu sehen: Ein Yellow Warbler der, während ich Gurken hochbinde, abwechselnd vom linken auf den rechten Gummistiefel hüpft und mir bei der Arbeit zuschaut.
Als nächstes noch ein Foto (Bild 9), das die Notwendigkeit des Kopfnetzes dokumentiert. Ich habe einige, bei weitem nicht alle Mosquitos festhalten können, die mir an diesem Tag in der Produktion um den Kopf schwirrten.
Noch 8 Tage, dann kommen Ruven und Thomas und Guayaquil an...freue mich auf euch. Wir können zwar nicht bei GFC essen (Bild 10), aber wir finden schon etwas anderes. Dazu was viel besseres. Das Essen dieser Pseudo-Fast-Food-Kette war grauenhaft.
In der Abflughalle des Aeropuerto "San Cristóbal"Galapagos musste ich unbedingt folgendes Foto (Bild 11) machen. Was stimmt nicht?
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Allen Spaniern, Engländern, Franzosen und Italienern wird eine "Gute Reise" gewünscht. Lediglich den Deutschen gönnt man einen "Guten Abend"!
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