Mit insgesamt 8 Volounteers von Jatun Sacha ging's per Boot zu dem legendären Felsen, der von den einheimischen Leon Dormido (schalfender Seelöwe) genannt wird. Das Wasser ist dort bis zu 80 m tief und voller Leben. Normalerweise kostet die Tour $ 120 pro Person. Weil ich aber seit meinem Tauchkurs nicht wenige Volounteers für Touren und Kurse anwerben konnte, durfte ich kostenlos mitkommen... Beim ersten Tauchgang war der Plan, in dem "Kanal" zwischen den beiden Felsen durchzutauchen (Bild 2).
Wir sprangen also ins Wasser und gingen runter. Dive Master Jimbo fing an Fotos zu schießen. Zuerst bekamen wir eine große Schildkröte zu sehen (Bild 3).
Kurze Zeit später kreutzen ein paar Rochen unseren Weg (Bild 4).
Bis dahin schon ganz interessant, aber wir waren gespannt, auf die Haie zu treffen. Aufeinmal tauchte ein Schwarm von mehr als 12 Exemplaren hinter-über uns auf (ein Ausschnitt auf Bild 5).
Fasziniert blieben wir in Grundnähe an der gleichen Stelle. Da wir uns zwischen den beiden Felsen befanden, mussten die Haie zwangsläufig an uns vorbei. Und das taten sie auch. Sie kamen tiefer und immer näher (Bild 6).
Bis einige schließlich nur noch wenige Meter von uns entfernt waren (Bild 7).
Anders als man sich vielleicht die Begegnung mit einem Hai ausmalt, interessierten sich diese nicht für Menschen. Auch wenn diese Geschöpfe furchteinflößend und böse wirken, wie auf Bild 8, sind es doch eher Darstellungen von Horrorfilmen oder Berichte über Haiangriffe, die auf Verwechslungen mit Beutetieren beruhen, die unsere Vorstellung von dem "Säuberungskommando der Ozeane" prägen. Natürlich gibt es auch aggressivere Arten, aber "unsere" schwammen friedlich umher.
Den zweiten Tauchgang starteten wir nach einer kleinen Stärkung mit Bananen und Oreos etwa 40 min später. Diesmal gingen wir am Rand des großen Felsens runter. Nach ca. 20 m erreichten wir eine Art Stufe, an dessen Rand wir uns festhalten sollten. Dies war auch dringend nötig, denn dort herrschte eine relativ starke Strömung, von er man zuerst über die Kante hinaus gespült und dann in die Tiefe gedrückt wurde. Wir befanden uns auf der Lauer, um Hammerhaie zu sehen. Nicht jeder Tauchgang ist in dieser Hinsicht von Erfolg gekrönt. Doch wir hatten Glück. Zwar nicht aus nächster Nähe, aber wir bekamen zwei Exemplare zu Gesicht. Der Hammerhai auf Video 1 hinterließ Eindruck und erzeugte Respekt. Nochmal größer und eindrucksvoller, als die Haie des ersten Tauchgangs.
In einer Felsspalte zeigte uns Jimbo eine weitere Sehenswürdigkeit: Seestern & Fisch (Bild 9).
Nach der Rückkehr zur Oberfläche brachte uns der Kapitän in eine einsame Bucht. Dort wurde uns eine leckere Mahlzeit serviert, ein gelungener Abschluss eines unvergesslichen Erlebnisses.
Das weniger erfreuliche Ereignis der Woche war das Spiel unserer Nationalmannschafft gegen Spanien. Der Chef gab uns den Mittwoch frei. So fuhren wir hoch motiviert und voller Erwartungen in den Hafen. Es war erst 10 Uhr und wir hatten noch 2,5 h Zeit, um uns vorzubereiten. Wir nahmen ein kleines zweites Frühstück ein und besorgten die entsprechenden Gesichtsfarben für eine ausreichende Unterstützung unserer Kicker. Pünktlich um 12:30 waren wir fertig geschminkt und hatten das erste Pilsener Grande auf dem Tisch (Bild 10).
Was allerdings danach folgte, war mehr als traurig. Die gesamte Mannschaft spielte wie ausgewechselt, es lief nichts mehr zusammen. Ein Fehlpass nach dem anderen, keine Struktur und Ordnung im Spiel nach vorne. Einfach grausam. Auf dem Heimweg überlegten wir uns, in die Bar zu gehen, um dieses Ereignis zu vergessen. Auch wollten wir dort campen. Das erste wurde umgesetzt, das letztere verschoben.
Allerdings nicht für lange. Am nächsten Tag arbeitete ich mit den beiden Mexikanerinnen in der Produktion und wir kamen auf die Idee, ein Unterschlupf zu bauen. Mit Machete und Band (zum Anbinden von Gurken und Tomaten) bewaffnet gingen wir zu einem Platz, der mir für die Konstruktion am besten geeignet erschien. Maria und Marianna begannen, das dünne und wenig strapazierfähige Band zu einer reißfesten Schnur zu verpflechten. Ich fällte einige Bäume, schlug sie auf die benötigte größe und spitze die Pfähle an. Nachdem ich diese in den Boden gerammt hatte, ging es an die Konstruktion des Daches aus Ästen, Bananen- und anderen Blättern (Bild 11). In der Regenzeit das wichtigste Element.
Nach 4,5 h war das Werk vollbracht. Wir hatten einen Unterschlupf, eine Sitzmöglichkeit, sowie eine Feuerstelle (Bild 12).
Nach dem Abendessen gingen wir mit 5 Leuten mit Mosquitonetzen, Papier und Toastbrot runter. Dazu 2 Flaschen Rum. Das Entzünden des Feuers gelang zum Glück, bevor es zu regnen begann. Auch war kurze Zeit später genug Glut da, dass es durch die Nässe nicht mehr ausging. Eine lustige Nacht. Trotz der hervorragenden Konstruktion entschlossen sich 2 Leute, diese Schlafmöglichkeit nicht zu nutzen. Mein Schlafsack blieb völlig trocken, da Marianna früher zu "Bett" ging und wirkte wie ein Schwamm auf das Wasser auf dem mit Plastiktüten bedeckten Boden.
Meine Zeit in Galapagos ist nun zu Ende. 13 Wochen, die verschiedener hätten nicht sein können. Von Krankheiten über völlige körperliche Erschöpfung bis hin zu nie größer gewesener Kraft. Von faszinierenden, tollen Menschen über längst vergessene bis hin zu nervigen und dämlichen. Von einzigartigen kurzweiligen Ereignissen über harte Arbeitstage bis hin zu nicht enden wollenden Stunden in schlaflosen Dengue-Fieber-Nächten. Einerseits bin ich froh, jetzt wieder was anderes zu sehen, vor allem da seit 3 Wochen die Regenzeit herrscht und es kalt, nass und schlammig ist. Andererseits werde ich wahrscheinlich erst mit einigem Abstand wirklich realisieren, wie speziell und einzigartig die 90 Tage hier waren.
Freitag geht es nun für 2 Nächte zurück nach Quito, am Sonntag dann für 2 Wochen in den Norden Kolumbiens, nach Cartaghena. Ich bin schon gespannt, was mich dort erwarten wird!
An meinem letzten Arbeitstag mal wieder ein kleiner Unfall. Ich war alleine in der Produktion, um die letzten Arbeiten zu erledigen und abschließende Fotos zu schießen. Ich fing an, weitere stickstofffixierende Pflanzen in das Feld zu integrieren. Ich grub also Löcher, pflanzte die kleinen Bäumchen ein und rammte zuvor angespizte Stöcke (2 cm Durchmesser und 1,5 m hoch) in den Boden, um sie daran zu erziehen und vor Verwechslung mit anderen Pflanzen beim Unkrauthacken zu schützen. Nach der 3. Pflanze, war ich etwas unaufmerksam, hörte schöne Musik, träumte etwas vor mich hin. Ich war rammte einen Stock in den Boden und übersah, dass ich einen zweiten in der gleichen Hand hielt. Der erste traf sein Ziel, steckte, wie vorgesehen fest im Boden, der andere aber nun in meinem Gummistiefel. Mein Schrei:" Ahhhhhh Scheiße" war warhscheinlich auf der halben Insel zu hören. Ich zog den Stock wieder raus, wartete 5 min bis der gröbste Schmerz verflogen war und arbeitete weiter. Zwar humpelnd und mit zusammengebissenen Zähnen, aber ich wollte meine Arbeit übergabefertig beenden. Nach 2,5 h trat ich den Rückweg an. Langsam, aber stetig den matschig - rutschigen und steilen Weg zur Station zurück. Als ich dort angekommen die Gummistiefel auszog, erkannte ich, dass auch die Socke ein Loch hatte und voller Blut war. Ein Neuankömmling mit Sanitäterkenntnissen half mir. Er erkannte, dass die Spitze zwischen dem 2. und 3. Zeh eingetreten war. Beim Spreitzen der beiden Zehen fing die Wunde sofort wieder an zu bluten, aber er verarztete mich fachmännisch. Das Laufen ist jetzt etwas schwieriger, ich hoffe auf nicht allzu große Probleme bei der Weiterreise mit meinem Gepäck.
Notiz: Beim nächsten Mal Stiefel mit Stahlkappen besorgen.
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