In der letzten Woche kam eine Gruppe Kanadier in die Station Jatun Sacha. Ein Trupp von 18 Biologiestudenten. Die Anlage war mit 35 Volunteers fast komplett ausgebucht. Mir gefiel es mit weniger Leuten besser. Es war ruhiger, angenehmer und bei den Mahlzeiten gab es auch kein Gedränge. Allerdings reisen die Kanadier dieses Wochenende wieder ab. Von den übrigen 17 verlassen auch einige die Station, da das Projekt und die Unterkunft nicht ganz ihren Vorstellungen entspricht. Es wird also wieder entspannter.
Körperlich bin ich noch nicht wieder auf dem Normallevel, die Nachwirkungen vom Dengue - Fieber können bis zu vier Wochen andauern. Eigentlich sollte ich mich die Woche noch schonen, aber aufgrund der Verkürzung auf 3 Monate musste ich mein Projekt vorantreiben. Wegen des Energiemangels ging ich abends nicht mit in die Bar, verzichtete aufs Kartenspielen und machte mich schon nach dem Essen, gegen 8 auf ins modrige Bett.

Es gibt 5 Stellen im Wald, wo sich Maracuja durch die Bäume schlingt. Sie sind im Umkreis von 5 Minuten um die Küche zu erreichen. Jeweils montags bin ich beauftragt, mit zwei, drei anderen die Früchte zu sammeln. Die Reifen fallen zu Boden, man kann sie einfach auflesen. Diese Woche brauchten wir, aufgrund der Gruppengröße mehr Früchte als üblich. Es war also nötig, auch schwer zugängliche Bereiche, abseits der Wege abzugrasen. Mit der Machete habe ich mich durch Brombeersträucher und dünne Bäume gekämpft, während die anderen aufsammelten. Es gibt eine Baumart, die eine Symbiose mit Ameisen eingegangen ist. Die Ameisen leben im hohlen, dünnen Stamm (ca. 1-2cm Durchmesser). Es war nicht mein erster Kontakt mit meinen Freunden, den Feuerameisen, aber diesmal der intensivste. Auf dem Weg durch die Vegetation, z.B. in die Produktion fällt von Zeit zu Zeit mal eine in den Kragen. Sie sind nur schwer zu sehen, sind kaum einen Milimeter lang. Aber wenn sie zubeißen, spürt man sie. Die Stelle wird rot und brennt fürchterlich für eine knappe Stunde. Bei der Fruchtsuche fällte ich mit der Machete gleich mehrere "Ameisenbäume" und ich hatte viele Exemplare im Ausschnitt des Longsleves. Boah...zum verrückt werden. Es brennt und sticht, wenn man nicht an den betroffenen Stellen juckt oder reibt.
Aber die Suche lohnte sich. Wir haben 3 Säcke Maracujas erbeutet. Ein kleiner Teil ist auf Bild 1 zu sehen. Wir verwenden die Früchte für Herstellung von Saft. Zuerst muss jede Maracuja einzeln abgebürstet werden. Dann wird mit einer Messerspitze die harte Schale eingestochen und mit der Klinge zerteilt. Innen sind die Samen umhüllt vom glibberigen Fruchtfleisch. Beides wird dann mit einem Löffel rausgeholt und in einer Schüssel gesammelt. Anschließend wird das ganze im Mixer püriert und mit einem Löffel durch ein Sieb gepresst. Eine Menge Arbeit, aber sie lohnt sich. Frischer Maracujasaft schmeckt einfach köstlich!
Diese Woche fuhr ich schon am Donnerstagabend in den Hafen. Mit zwei deutschen Schwestern und einer Engländerin. Abends trafen wir uns mit ein paar australischen Seglern in meinem Lieblingslokal, im Kokosnuss - Restaurant. Fisch und Schrimps in einer delikaten Kokosnusssoße zu günstigen Preisen, wirklich zu empfehlen. Dazu gab es spannende Geschichten und Abenteuer der Segler von der schier unbegrenzten Freiheit auf See, von einsamen Inseln und mir bis dahin unbekannten Ländern. Faszinierend! Mal wieder ein richtig schöner Abend.
Am Freitag gingen wir morgens zum Strand. Das Meer ist seit einer Woche ziemlich unruhig, mit vielen hohen Wellen. Perfekt für Surfer, schlecht für Schwimmer. Ich konnte nicht widerstehen mich auch mal in die Fluten zu schmeißen. Allerdings mit dem Resultat, dass mich der Sog der zweiten großen Welle über einen Felsen zog. Die rechte Hand schmerzte etwas, auch der Bauch und der linke Fuß, aber nicht sehr stark. Also schwamm ich weiter raus, habe selten solche Wellen erlebt. Es war kräftezehrend, aber rein riesen Spaß mit den Brechern zu kämpfen. Auf und ab und mal drunter her und durch. Als mich ein Surfer mit seinem Brett fast überfuhr machte ich mich auf den Rückweg. Diesmal mit erhöhter Vorsicht wegen der Kombination aus hohen Wellen und harten Felsen.
Zurück im trockenen Sand wurde dann das Ausmaß meiner Kollision sichtbar. Von meiner Hand suppte das Blut und am Bauch und Fuß waren nun lange Schrammen zu erkennen. Die Erstversorgung an der Strandbar wurde ordnungsgemäß mit dem Allheilmittel, dem Overproof Rum (ca. 75%) durchgeführt. Die Hand ist noch dran, die Verletzung nicht schlimm (Bild 2), aber auch nicht angenehm. Mit Strand war dann auch nix mehr.

Ja, es wird nicht langweilig. Jede Woche passiert mir irgendwas anderes. Vielleicht habe ich mein Glück in Quito vergessen oder dort bereits vollständig aufgebraucht... :-)

Mein Projekt schreitet voran. Wir haben Gurken, Wassermelonen und Mais gepflanzt. Auf Bild 3 ist der malerische Arbeitsplatz zu sehen, ca. 10min Fußmarsch durch den Dschungel von der Behausung entfernt. Rechts eine Reihe Ananas, parallel dazu, schwer zu erkennen die kleinen Gurken und im Hintergrund das Meer. Diese Woche konnte ich auch weitere Schritte planen. Wir werden im "Alley - Cropping" - Verfahren eine Hecke aus luftstickstofffixierenden Bäumen anlegen und diese auch im Feld integrieren. Bei den Arten legte ich mich auf 3 endemische fest: Leucaena leucocephala, Inga schimpffii und Erythrina poeppigiana. Auch beim ökologischen Pflanzenschutz gelang es mir ein paar neue Methoden einzuführen. Der Chef war von meinen Ideen begeistert, in den nächsten Wochen soll ich die Innovationen auch beim Nachbarn einführen.
das war ja wieder klar...freue mich schon auf die nächsten Bilder mit Verletzungen oder sonstigen Krankheiten ;-)...das mit meiner e-mail scheint irgendwie nicht zu funktionieren zeige ich dir wenn du wieder in der heimat bist (war sowieso nur ein internet blödsinn)...die mach-3 stiftung für ecuador ist in berlin eingereicht und angie will sich persönlich drum kümmern und ein griechen ähnliches paket schnüren! bei uns ist sonst alles beim alten - arbeiten viel stress und wenig schlaf...also quetsch die maracuja und halt dich von irgendwelchen tieren fern...nicht das der nächste blogeintrag der pinguinbiss heisst
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andré
Ahh, deine Kommentare sind herrlich. Ein Stueck Sauerlaender Heimat in der Ferne...
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