Samstag, 24. April 2010

Behausung & Arbeit













Ich bin gut auf San Cristobál, der oestlichsten Insel des Galapagos Archipels angekommen. Der Transfer in die tiefen des Hochlandes zur Unterkunft verlief auch problemlos. Auf Bild 1 ist meine jetzige Behausung, das Casa nueva („neues Haus“) der Anlage zu sehen.














Am ersten Tag musste ich noch nicht arbeiten. Mir wurde zuerst der Großteil der Einrichtung gezeigt. Später ging´s dann zum Einrichten meiner Junior - Suite. Sehr komfortabel ausgestattet, mit allem Notwendigen (Bild 2). Die 1cm breite Bretterwand bildet die Barriere der Privatsphäre. Ab dem 2. Zentimeter steht das Bett des nächsten Raumes. Man kann die anderen also fast beim Atmen hören.













Am Anfang fiel mir das kaputte Fliegengitter des Fensters auf (Bild 3). Man könnte meinen, das wäre ein Problem, es kämen so mehr Viecher rein. Dem ist aber nicht so. Ein Blick nach oben zeigt, warum. (Bild 4). Es gibt keine Zimmerdecke. Das sorgt aber für die nötige Menge Frischluft.













Spinnen, Mosquitos, Kakerlaken, Käfer, handgrosse Riesenmotten … alles kommt mal auf kurz oder lang vorbei und verweilt ein bisschen.
Ein Zimmer mit eigenem Bad konnte ich leider nicht buchen. Aber die Alternative ist nicht zu verachten. Ein nahe gelegenes Toiletten- & Duschhaus mit Außenwaschbecken (Bild 5).














Momentan ist das „Camp“ unterbesetzt. Es sind lediglich 6 Angestellte und 6 Volunteers hier. Die Angestellten sind ganz lustig. Der Rest ist englisch-sprechend. Mal wieder nur Frauen. Aus Australien, USA und England. Vorteil gegenüber Quito: Ich verbessere wenigstens mein Englisch. Eine Schweizerin ist auch dabei. Ü40, spielt sich manchmal auf, als wäre sie die jedermanns Mutter. Geht mir leicht auf die Nerven. Am Mittwoch ist zum Glück eine Holländerin angekommen, auch Anfang 40, aber wie man die netten "Nachbarn" kennt, sehr umgänglich.

Der erste Arbeitstag (Dienstag) begann damit, um 7 Uhr das Frühstück einzunehmen. Dies bestand aus leckeren Früchten, einer Art Müsli, Toast und Marmelade. Danach bewaffneten wir uns mit Macheten, Hüten, Kopfnetzen und Wasser. Es ging in die Produktion. Nach einem 10 minütigem Marsch Richtung Meer erreichten wir die mehr oder weniger gut gepflegte Anlage. Die Galapagosinseln, vor allem San Cristobál, haben Probleme mit der höchst invasiven Brombeere (hier Mora genannt). Es sollte neue Anbaufläche geschaffen und jegliche Vegetation aus dem Weg geräumt werden. Also mussten veschiedene Gräser, Mora, kleinere Sträucher, usw. weichen. Nicht mit Maschinen, wie Rasenmäher, Trecker, usw., sondern mit Machete und einem Hilfsstock (Ast mit 90° „Hakenkrümmung“ am unteren Ende). Nach 2h Maloche im schwül-warmen Klima und der falschen Technik war mein Hemd völlig durchgeschwitzt, meine Hände taten weh, die Mosquitos schwirtten in Schwärmen um mich herum. Jede nicht von Kleidung oder Repellent bedeckte Stelle wurde gnadenlos ausgesaugt. Es gibt hier zwei Arten von Mosquitos. Tagsüber sind es die kleinen, optisch wie Fruchtfliegen (Carmelitos genannnt). Sie treten in Schwärmen auf, saugen ein bisschen. Man bekommt nur kleine Pickel. Aber wenn sie eine freie Stelle finden, dann übersähen sie ihr Opfer mit diesen. Zu allem Übel stehen sie auf schwarze, blaue und braune Kleidung. Ich habe 2 kurzärmlige T-shirts und eine Hose im Gepäck, die nicht dem Geschmack der Carmelitos entsprechen, werde mich im Hafen also neu eindecken müssen. Die anderen Mosquitos kommen erst nachts zum Vorschein. Sie sind die Gewöhnlichen. Sie treten meist einzeln auf setzten sich in Ruhe auf die Haut und saugen dann. Sie haben einen langen Stachel und dringen auch durch Kleindung. Sogar Jeans hält sie nicht auf. Zum Glück habe ich zwei Spezialhosen und ein Spezialhemd dabei, die mich schützen. So bleibe ich nachts relativ verschont. Bilanz nach dem ersten Tag: Vier Blasen an der rechten Hand, zwei an der linken. 10-12 kleine Stiche, 4 größere.

Für den nächsten Morgen (Mittwoch) habe ich mich freiwillig für´s Birdwatching gemeldet. D.h. um halb sechs aufstehen und bis ca. 10:00 eine bestimmten Weg ablaufen. An diesem Tag galt es die Route Richtung Meer zu prüfen. Dabei sollen Vögel identifiziert, fotografiert und dazu Klimazone, Uhrzeit, Wetter, die als Sitzplatz dienende Pflanze, etc. notiert werden.













Ich begleite Catherine, die Australierin. In ihrer Heimat arbeitet sie in einem Nationalpark, kennt sich bestens mit Flora & Fauna aus, ist außerdem mit Spezialliteratur ausgestattet. An diesem Morgen hatten wir Glück. Viel verschiedene Vogelarten, einige der berühmten Finken, von den restlichen kenne ich nur die englischen Namen. Uns begleitete einer der Hunde. Sein Name ist Negro, auf Deutsch „Schwarzer“ (Bild 6). Als wir auf dem Rückweg an einem Abzweig vorbeikamen, an dem wir nicht mehr sicher waren, welches der Richtige war, zeigte er uns ohne zu zögern und Kommando den korrekten Weg. Guter Hund!
Wieder zurück genossen wir leckere Pancakes mit Erdnussbutter und Mora-Marmelade. Mit Pflastern verarzteten Händen ging´s noch 2 Stunden in die Produktion, den anderen beim „Macheten-Mähen“ helfen. Nach der Arbeit erklärte ich mich bereit, ca. 10 grosse. saftige Orangen mit in die Unterkunft zu nehmen, ich war der einzige mit Rucksack. Auf halbem Wege, fragte mich Cesar (der Chef) ob ich mit ihm und 2 Angestellten auf Schweinjagd gehen wolle. Trotz leichter Erschöpfung vom vierstündigen Morgenmarsch und der Machetenmaloche hatte ich Lust. Es ging mit zwei Hunden, abseits vom Pfad, tiefer in den Dschungel. Jeder mit einer Machtete in der Hand bewaffnet, mal duckend unter einem Ast her, mal springend über einen abgestorbenen Baum. Wir rannten den suchenden Hund hinterher. Sie hatten eine Fährte aufgenommen. Nach langem Rennen gelangten wir schließlich an eine Wand aus Mora. Die Hunde hatten etwas in die Enge getrieben... Es handelte sich allerdings nur um ein wild lebendes Huhn. Es war auf einen Baum geflüchtet. Einer der Angestellten packte es an den Beinen, gab es Cesar. Dann ging alles ganz schnell. Die Hunde fingen laut an zu Bellen, rannten los. Die beiden Angestellten sofort hinterher. Cesar drückte mir das Huhn in die Hand und setzte sich auch in Bewegung. Ich hinterher. Aber mit der Machtete in der einen und dem Huhn in der anderen Hand dauerte es nicht lange, bis ich die anderen gänzlich verloren hatte. Ich orientierte mich an den Lauten der Hunde. Nach 10 Minuten war ich völlig allein im Dschungel. Keine Gebelle, keine Menschen und auch kein Weg mehr. Das Huhn und ich waren auf uns allein gestellt. Ich überlegte kurz und kam zu dem Entschluss, wieder zurück zu laufen. Nicht so leicht, alles sah gleich aus und während des schnellen Fortbewegens war die Orientierung leicht verloren gegangen. Ich musste mich durch dichteste Vegetation kämpfen, zum Glück war die Machete scharf. Das Huhn tat mir langsam Leid. Kopfüber unsanft durch die Wildnis. Überall Dornen und Äste. Kurzerhand packte ich mein Regencape aus und verstaute das arme Tier in meinem Rucksack. Natürlich mit Luftschlitz. Nun konnte ich mich besser vorankämpfen. Nach 15min erreichte ich eine Trampelpfad und nach weiteren 10min eine Art Lichtung, die mir bekannt vorkam. In einiger Ferne konnte ich schließlich Papayabäume erkennen. Sie mussten kultiviert sein. Zu meinem Pech befanden sich diese allerdings hinter einer Barriere aus Mora, ca. drei bis vier Meter breit und fast genau so hoch. Dank der Machete aber kein unüberwindbares Hindernis. Ich hatte mich gerade durchgearbeitet, da traf ich auf die anderen. Sie waren auf dem Rückweg von der erfolglosen Schweinejagd. Meine Erleichterung war riesig. Das Mittagessen konnte ich nach diesem Trip doppelt genießen.

Am Donnerstag ging ich wieder mit zum Birdwatching. Da ich am längsten hier sein werde, soll ich die Routen lernen, um sie zukünftigen Volunteers beizubringen. Zum Glück startete ich nicht, wie geplant, mit der Schweizerin, ihre Füße waren voller Blasen. Wieder mit Catherine und Negro ging´s diesmal den Berg hinauf. Durch verschiedene Vegetationszonen. Es regnete fast die ganze Zeit. Der Vorteil: Die Carmelitos fliegen nicht. Und bei der Wärme ist die Nässe auch nicht wirklich unangenehm. Viele Vögel ließen sich so aber auch nicht blicken. Nach 1,5 Stunden Fußmarsch erreichten wir das Ende der Maconia – Zone (ein nur auf Galapagos heimischer Strauch). In kürzester Zeit zogen plötzlich Wolken auf. Man konnte kaum noch 10 m weit sehen (Bild 7).













In dieser Zone mussten wir den regulären Weg verlassen, setzten Markierungen, um später den Rückweg finden zu können. Noch weiter oben gab es kaum noch Sträucher, nur noch Grasland. Wir entschlossen uns umzukehren. Nach der ersten Makierung war ich mir nicht sicher, ob Catherine den richtigen Weg eingeschlagen hatte. Sie war den Weg schon zwei mal gelaufen, aber bei gutem Wetter. Nach 5min war sie sich dann auch nicht mehr sicher. Wir liefen zurück. Und zack, wir hatten uns verlaufen. Keine Markierung mehr, keine eindeutigen Fußspuren, im Matsch nur noch Nebel, Regen. Aber für solche Fälle war ja Negro bei uns… Tja, falsch gedacht oder falsch gemacht. Auf welche Kommandos hört ein spanischer Hund? Alle Versuche auf Spanisch, Englisch, und mit Zeichen scheiterten. Er raffte nichts und legte sich unter einen, vor Regen schützenden Strauch. So mussten wir selbst weiter suchen.

Nach einer Stunde sinnlosem Umherirren hatten wir riesiges Glück. Es klarte auf und wir konnten uns am Berg orientieren. Nach weiteren 20 Minuten erreichten einen bekannten Platz. Von dort aus bot sich nun ein wunderschöner Blick auf die Küste (Bild 8).














Wir waren nun in der Lage, die Richtung der Anlage zu bestimmen. Negro schien nun auch wieder zu wissen, wo das sein Zuhause lag. Zwei Stunden später erreichten wir unser Frühstück. Leckerer Porridge. Am Nachmittag ging's in die Baumschule. Vorbereitung der Aussaat.

Mein Magen & Galapagos vertragen sich nicht wirklich. Seit dem 2. Tag habe ich Probleme. Nicht schlimm, aber auch nicht schön. Es schwächt mich. Und es wird von Tag zu Tag nicht besser. Das abgekochte Wasser hier schmeckt besch***. Ich führe meine Probleme darauf zurück. Die anderen beiden neuen haben auch Schwierigkeiten. Das Wasser muss wegen des Klimas und der Arbeit aber in Massen getrunken werden. Am Wochenende werde ich mir aus dem Hafen 15-20l mitnehmen.
Das Essen besteht immer aus Reis und Kartoffelbrei. Dazu ein bisschen Fleisch oder frittiertes Gemüse und Salat. Einfaches, aber durchaus leckeres Essen. Im Bett liegt man, wie in einem Sarg. Die „Netzwände“ sollte man besser nicht berühren, sonst freuen sich die Mosquitos. Die Maus auf meinem Regal, direkt neben meiner Zahnbürste hat mich auch nicht sonderlich erfreut. Ich töte normalerweise keine Tiere grundlos, aber die Kakerlake, die aus meiner, auf der Leine aufgehängten Hose fiel, musste dran glauben.


Im Großen und Ganzen ist es ganz schön hier. Aber momentan bin ich froh, dass ich „nur noch“ 3 Monate bleiben darf…

Schadensbilanz nach 5 Tagen: 7 Blasen an den Händen, ca. 20 Stiche an den hinteren Oberarmen und 70 am Rücken überm Hintern (wenn’s T-Shirt bei der Arbeit oder in der Hängematte hoch rutscht).

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